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Arbeiten Lösungsanbieter wirklich so unstrukturiert, wie es mir manchmal vorkommt?

Am Einzelhandel geht die Digitalisierung auch nicht spurlos vorbei. Also eigentlich ist es im Regelfall nur die Anzeige von Multimediakram, aber man muss ja mitgehen. Bei uns wurde das erste System dieser Art vor über zehn Jahren eingeführt und es werden jedes Jahr immer mehr.



Da wir nicht nur ein zwei drei vier fünf Filialen haben, sondern etwas mehr und dazu noch etliche Verbindungen zu zig anderen Unternehmen, müssen wir uns und auch alle anderen vor diesen Systemen schützen. Das erfolgt bei uns mit einer sehr restriktiven Filterung, die wir auch nicht geheimhalten.


Da sich die meisten Fremdanbieter einen Scheiß um ihre Systeme scheren, sobald die bei uns in irgendeiner Filiale stehen, wir aber auch keinerlei Zugriffsmöglichkeit haben, ist dieses auch zwingend notwendig. Von dem einen Anbieter haben wir heute noch XP-Systeme im Netzwerk, die ohne irgendeine Updateversorgung und Virenschutz vor sich hinarbeiten. Aber ich kann da nichts machen, außer die Netzwerknutzung zu reglementieren. Ich darf die Systeme aber auch nicht anfassen, da die nur gemietet sind.



Da wir für unsere Internetanschlüsse in der Haftung stehen, aber bei diesen Systemen nichts machen können, haben die Systeme keinen freien Internetzugang. In den letzten Jahren hat sich die Menge an Systemen vervielfacht. Alleine in 2017 sind sechs neue Systeme dazu gekommen. Aus dem Grund gibt es bei uns seit einiger Zeit ein fertiges Dokument, in dem alles beschrieben ist, also was wir zur Verfügung stellen, wie die Systeme konfiguriert werden müssen, was wir benötigen, um die Firewall entsprechend anzupassen und was absolut verboten ist. Dieses Dokument stellen wir sowohl den Personen, die solche Systeme bei uns im Haus betreuen zur Verfügung, aber auch den externen Anbietern.



Leider sind die meisten Anbieter der Meinung, dass dieses Dokument als Diskussionsgrundlage dient. Selbst große Anbieter dieser Branche, die tagtäglich mit vergleichbaren Anforderungen konfrontiert werden, verlangen im Enterprise-Bereich WLANs mit Preshared-Key und ungefiltertem Internetzugang. Neun von zehn Anbietern, mit denen ich zuletzt gesprochen habe, haben das Dokument entweder nicht gelesen oder nicht verstanden. Sieben dieser zehn konnten selbst auf mehrfache Nachfrage keinerlei Informationen dazu geben, welche IP-Adressen/URLs freigegeben werden müssen. Ein Entwickler teilte mir sogar mit, dass es technisch gar nicht möglich wäre, da sich die Adressen bei AWS minütlich ändern würden und von Zone zu Zone wandern.



Dazu kommt, dass heute fast jeder Anbieter Fremddienste benutzt. Selbst für den einfachsten Videomonitor ohne interaktive Funktionen, der nur eine Liste an Videos abspielt, nicht bewegt werden kann und dessen einzige Funktionen das Einschalten am Tagesbeginn und das Ausschalten am Tagesende sind, benötigt heute z.B. Google Analytics und drei verschiedene Cloudanbieter, wobei die Inhalte nachweislich von einem anbietereigenen Mietserver in Ostdeutschland kommen. Warum bitteschön? Warum?



Die Härte ist dann aber, wenn ein Anbieter seinen Willen für einen unbeschränkten Internetzugang nicht bekommt, keinerlei Informationen liefert und es dann, wider Erwarten, nicht funktioniert. Dann wird noch zwei drei Mal per E-Mail oder Telefon rumgemoppert und dann bekommt man irgendwann einen Anruf vom Geschäftsführer, weil der Konzernvorstand angesprochen wurde, dass da was wegen uns nicht funktioniert.



Oder ein Anbieter, der nicht ordentlich funktionierende Technik, die unregelmäßig, dennoch ständig, den Betrieb verweigert, verbaut, dann aber von uns erwartet, dass wir mal eben in die 500km entfernte Filiale fahren, obwohl der Anbieter selbst 380km näher dransitzt und einen dann per E-Mail beschimpft, wenn man es nicht macht. Dafür zahlt man jeden Monat eine nicht geringe Servicepauschale.



Es gibt aber auch ein positives Beispiel: Unser Anbieter für Kundenzählung. Der Projektleiter kam persönlich vorbei, kannte sein Produkt, hat die Technik mitgebracht, hat von sich aus die notwendigen Netzwerkfreigaben mitgebracht, hat eine fertige Schnittstelle samt Beschreibungen mitgebracht und hat sich sogar noch kostenneutral um den Switchtausch vor Ort gekümmert. Es gab ein paar kleinere Fehler, aber alle nicht signifikant. Ab und an meldet man eine neue, umgebaute oder geschlossene Filiale, aber der Rest läuft absolut geräuschlos.



Warum nicht immer so?


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Kommentare

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MisterX am :

Ja, das kommt leider oft vor. Entwickler haben oft keine Ahnung was für Webseiten/Ports von der eigenen Software genutzt werden. Das kann ich aus Softwareanbietersicht nur so bestätigen. Es werden einfach die Programmiertools genutzt. Entwickler und GF sind dann regelmäßig entsetzt, wenn jemand Infos haben möchte. Kommt ja auch völlig unerwartet ... Top-Antwort eines Entwicklers war übrigens "wir nutzen für unseren Datenabruf keine Ports". Ahja ... ;-)

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