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Diskussion um die Verpflichtung der elektronischen Zahlungsmöglichkeiten im Handel

Aktuell steht ja im Raum, dass es eine Verpflichtung geben soll, dass der Handel neben der Barzahlung auch elektronische Zahlungsmöglichkeiten anbieten sollen.



Ich finde es schade, dass es zu so einer Verpflichtung kommen muss, da beide Zahlungsarten ihre Vorteile haben und jeder Händler bzw. Gewerbetreibende dieses von sich aus anbieten sollte.



Wenn man sich die Berichterstattung dazu durchliest, liest man immer wieder, dass eine entsprechende Einführung enorme Kosten für einen Gewerbetreibenden bedeuten würde. Leider haben genau die Gewerbetreibenden nicht über den Tellerrand hinausgeschaut.



Vorweg: Bei meinem Arbeitgeber ist die Kartenzahlung seit sehr langer Zeit möglich, teilweise geht diese noch zurück bis in die Zeit der deutschen Bundespost. Ich selbst bin auch seit über 15 Jahren notorischer Kartenzahler, aber nicht so extrem, dass ich komplett ohne Bargeld unterwegs bin.


Zurück zur Berichterstattung: In der WAZ wird von einem Gastronomen berichtet, welcher erst vor kurzem ein neues Kassensystem für gutes Geld einführen musste und jetzt "jammert", dass er im Falle einer Pflicht für die Aktualisierung desselben und die notwendige Hardware erneut investieren muss.



Hier muss man mal sagen: In einem ersten Schritt ist dieses nicht notwendig. Man kann Kartenzahlungsgeräte auch komplett unabhängig betreiben. Eine Änderung oder Aktualisierung der Kasse ist nicht notwendig. Die Bedienung ist dann zwar nicht so leichtfüßig, wie man es aus dem Lebensmitteleinzelhandel kennt, sondern man muss das Kartengerät einmal in die Hand nehmen und den Betrag eingeben, aber das wars. Der Kasse sagt man einfach, es war ein Barverkauf, legt statt des Geldes den vom Kartengerät ausgedruckten Händlerbeleg in die Schublade und fertig.



Eine große Investition ist ein Kartengerät auch nicht. Bei den großen Anbietern oder der Hausbank erhält man diese fast ausschließlich als Mietgerät, also man zahlt seine 15-20€ im Monat, darin ist dann der Vertrag mit dem Dienstleister und die Miete für, dass Gerät bezahlt. Durch die Miete hat man auch gleich noch eine Hotline und einen Austauschservice für die Hardware.



Wenn man es noch günstiger haben will, geht man einfach in den Baumarkt. Hier gibt es Kartenzahlungsgeräte in mehreren Ausführungen, die rein über die Provision bezahlt werden. Pro Zahlungsvorgang werden einfach 1% vom Dienstleister einbehalten. Die Geräte kosten einmalig zwischen 40 und 150€ und beinhalten teilweise sogar die SIM-Karte für die Kommunikation mit dem Dienstleister. Ein solches Gerät habe ich in unserem Bürokiosk im Einsatz, eigentlich als Spielerei, aber es funktioniert wunderbar.



Und ja, für Kartenzahlungen zahlt man eine prozentuale Gebühr auf den getätigten Umsatz. Aber dieses erscheint erstmal viel, aber nur, weil man diese Kosten beim Bargeld nicht sieht. Bei der Kartenzahlung werden die Kosten direkt vom Dienstleister einbehalten und nur der Restbetrag auf das Konto überwiesen, mit der Überweisung ist der komplette Prozess abgeschlossen.



Beim Bargeld muss man folgendes bedenken:



1. Man benötigt Wechselgeld. Dieses kann man nicht einfach am Automaten ziehen, sondern muss es, in der Regel kostenpflichtig, am Bankschalter abholen. Hierfür muss auch jemand während der Öffnungszeiten der Bank zu dieser hingehen. Diese muss dahin und wieder zurück. Also braucht man in der Regel ein Verkehrsmittel (kostenpflichtig) und es ist Arbeitszeit (auch kostenpflichtig). Alternativ lässt man es sich von einem Geldentsorger, ebenfalls kostenpflichtig, liefern. Dieser nimmt Geld für die Bereitstellung des Geldes und für die Anlieferung.



2. Bargeldhandling kostet Zeit. Man muss Geld annehmen, die Echtheit prüfen und Wechselgeld herausgeben. Regelmäßig muss man die Kasse abschöpfen, damit nicht zu viel Geld in dieser ist und manchmal muss man Wechselgeld nachfüllen. Am Ende des Tages muss man die Kasse abrechnen, also dass ganze Geld zählen, was auch Zeit kostet. Anschließend muss man es noch dokumentieren, die Tageseinnahmen für die Entsorgung/Einzahlung vorbereiten, evtl. Tageseinnahmen und Wechselgeld für die Zeit der Schließung sichern (ein Tresor kostet auch Geld) und dann die Tageseinnahmen durch einen Geldentsorger abholen oder durch eigenes Personal/eigene Arbeitskraft bei der Bank einzahlen lassen. Sowohl die Entsorgung als auch die Einzahlung kosten Gebühren.



3. Bargeld geht verloren. Da Bargeld selbst den Wert darstellt und nicht nachverfolgt werden kann, kann es verloren gehen, in Form von Diebstählen, Betrügereien, Missverständnissen oder Verwechselungen. Auch wenn man es nicht hören will, aber selbst langjährige Mitarbeiter greifen mal in den Bargeldbestand. Bei einmaligen Vorfällen wird es meist hingenommen, da es nicht verfolgbar ist, aber der Schaden ist dennoch entstanden. Auch unabsichtlich kann es passieren, dass man sich mal beim Herausgeben von Wechselgeld vertut, einen falschen Schein erwischt, zwei Scheine haben aneinandergeklebt oder sowas. Wenn es nicht sofort auffällt oder ein ehrlicher Kunde sich meldet, ist das Geld verloren.



Das sind drei versteckte Kostenpunkte bei Bargeld, die nicht sofort mit einer Zahlung in Verbindung gebracht werden. Allein die Arbeitszeit für alle diese Schritte erzeugt horrende Kosten. Dagegen sind 1%, wobei dass schon eine sehr hohe Zahl für die prozentuale Vergütung ist, teilweise redet man hier von 0,0irgendwas %, ein Klacks. Dafür hat man die Einnahmen zwei bis drei Tage später komplett fertig auf dem Konto.



Am Ende dreht Bargeld auch nur eine Runde: Der Kunde geht mit seiner Karte zu seiner Bank, holt dort Bargeld ab, schleppt es herum, geht dann zu einem Gewerbetreibenden, tauscht es dagegen Ware ein, der Gewerbetreibende nimmt dann das Bargeld, schleppt es wieder zur Bank und zahlt es dort ein, damit es auf "seiner Karte" ist.



Ich bin nicht gegen Bargeld und für die ausschließliche Kartenzahlung, sondern es muss zwischen beiden Methoden ein friedliches Nebeneinander geben. Beide Systeme haben ihre Vor- und ihre Nachteile, daher nutze ich beide Systeme, aber man muss ich einfach auf beide einlassen.



 



Was ich aber in letzter Zeit immer häufiger sehe: Die gastronomischen Betriebe, die nur Bargeld annehmen oder Kartenzahlung nur sehr widerwillig akzeptieren, haben eine kreative Art der Kassenbedienung. Anders ausgedrückt: nicht jeder Verkauf wird dokumentiert. Würde ich bei der Steuer schummeln, müsste ich mich sofort nackig machen und solche Betriebe bereichern sich nicht unerheblich. Bei solchen Betrieben bringt auch die Fiskalisierung der Kasse nichts, denn was die Kasse nicht sieht, kann nicht durch die Fiskallösung gesichert werden.


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